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Die Eigendynamik des kreativen Prozesses

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  Sehr viele Menschen glauben, sie müssten sich bekennen: zu einer bestimmten Religion oder zum Atheismus. Mir fällt es zunehmend schwer, das nachzuvollziehen, und ich möchte erklären, warum. Vermutlich bin ich in den Augen der meisten Gläubigen ein Atheist, denn ich glaube weder an die Dogmen irgendeiner Religion, noch halte ich irgendeine Schrift für das Wort Gottes. Jedoch erscheint mir auch der Atheismus als ein zu enges Korsett für mein Denken. Auch wenn ich keiner Religion angehöre, einige meiner Erfahrungen passen besser zu einer religiösen Haltung. Ich betrachte das Ganze von meiner Perspektive als Künstler aus. Am besten gelingt mir meine Kunst, je absichtsloser ich an die Sache herangehe, je mehr ich Planung und Kontrolle aufgebe und der spontanen Eingebung vertraue. Die Ergebnisse übertreffen oft bei Weitem das, was ich mit hätte ausdenken können. Kreativ zu sein, heißt für mich, zuzulassen, dass sich etwas ausdrückt, das meine eigene Intelligenz ü...

Das Ich, das Selbst, die Welt und der liebe Gott

  Gerade habe ich eine Diskussion in einer Facebook-Gruppe verfolgt, in der jemand Ideale und Moral ablehnt und das Ich zum ausschließlichen Maßstab des Handelns erklärt. Die Ablehnung von Idealen und Moral kann ich gut nachvollziehen. Auch ich kann mit diesen Dingen wenig anfangen. Ich denke aber, dass die Orientierung am Ich und am eigenen Willen nichts anderes als ein Ideal ist – und ein gefährliches obendrein. Was „Ich“ will ist zum großen Teil eine Folge von Konditionierung. Ichs neigen dazu, zu denken, es sei ihr Wille, dass die Hamsterräder, in die sie irgendwann einmal geraten sind, sich immer weiter drehen. Deshalb leben die meisten Menschen weit unter ihren Möglichkeiten, auch – oder gerade – in einer individualistischen Gesellschaft. Um es paradox zu formulieren: Ich bin weit mehr als Ich. Deshalb unterscheiden manche Psychologen zwischen dem Ich und dem Selbst; und Mystiker sprechen von dem göttlichen Funken in uns, den es zu entfachen gilt – in...

Die Bedeutung des Animismus für unser Überleben

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Viele religiöse Menschen halten Religiosität für ein angeborenes menschliches Bedürfnis. Viele Atheisten hingegen sehen in religiösem Glauben eine Folge jahrhundertelanger Indoktrination und betrachten die Freiheit von Glaubenssätzen als den ursprünglichen Zustand, sozusagen den Default-Modus menschlichen Bewusstseins. Dafür spricht z.B. dass wir noch nichts von irgendwelchen Dogmen wissen, wenn wir auf die Welt kommen. Sind wir also in unserer frühsten Lebensphase Atheisten? Wenn man von der ursprünglichen Wortbedeutung ausgeht, ist das sicherlich so. Die Vorstellung eines Gottes entwickelt sich erst nach mehreren Lebensjahren und selten ohne Beeinflussung von außen. Wenn man den Begriff Atheismus aber weiter fasst und darunter die Ablehnung des Glaubens an übersinnliche Phänomene versteht, dann sind wir sicher keine geborenen Atheisten. Ich möchte hier die These aufstellen, dass unser Default-Modus vielmehr der Animismus ist und dass wir uns ers...

Wissen und Weisheit aus dem alten China

Für mein Buch "Die Lehren des großen Regens - Eine philosophische Reise ins alte China und zurück" habe ich einige Passagen aus dem Huainanzi , einem chinesischen Klassiker aus dem zweiten Jahrhundert vor unserer Zeit, ins Deutsche übersetzt. Für mich ist das Huainanzi eines der großartigsten Bücher der Weltliteratur - und ich kann überhaupt nicht verstehen, dass es davon immer noch keine deutsche Übersetzung gibt. Es ist als Geschenk für den Kaiser von China geschrieben worden, um ihm alles Wissen an die Hand zu geben, das man braucht, um ein Weltreich zu regieren. Es gibt nicht nur einen hervorragenden Einblick in das Weltbild der damaligen Zeit, sondern ist auch voller weiser Erkenntnisse, die über die Jahrtausende hinweg nichts von ihrer Aktualität verloren haben. Hier möchte ich drei meiner Lieblingszitate vorstellen: 1.19. "Die Welt ist mein eigen, aber ich gehöre auch der Welt. Wie könnte da eine Kluft zwischen mir und der Welt sein? Um die Welt zu besitzen, woz...

Eine Einführung in die alte chinesische Philosophie mit aktuellen Bezügen

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Soeben ist mein Buch neues Buch erschienen. Hier die Pressemitteilung:  Jupp Hartmann : Die Lehren des großen Regens - Eine philosophische Reise ins alte China und zurück -  Bei dieser Neuerscheinung handelt es sich um eine Einführung in die alte chinesische Philosophie mit aktuellen Bezügen. Schon vor 4000 Jahren waren die Menschen in China gezwungen, sich durch ein System von Flussregulierungen vor drohenden Hochwasserkatastrophen zu schützen. Dabei sammelten sie Erfahrungen, die nachhaltigen Einfluss auf die Weltsicht der folgenden Generationen hatten und anderthalb Jahrtausende später die klassische chinesische Philosophie entscheidend prägten. Diese entwickelte zu ihrer Blütezeit eine Vielzahl unterschiedlicher Ansätze (Konfuzianismus, Daoismus, Mohismus, Legalismus, Hedonismus, Sophismus), die als die Hundert Schulen in die Geschichte eingingen. Jupp Hartmann versucht in seinem Buch, das Denken jener Zeit nachzuvollziehen und dessen oft verblüffende Einsichten f...

Die Bundesregierung entdeckt das Prinzip des Wu wei

Dass ich das noch einmal erleben würde. Die Bundesregierung wirbt für Tun durch Nichttun (wu wei). In gleich drei Videos zu Corona fordert sie dazu auf, einfach zuhause zu bleiben und nichts zu tun. Kompliment, soviel Humor hätte ich der Regierung nicht zugetraut. https://www.youtube.com/watch?v=BpYZvtmkGw4 https://www.youtube.com/watch?v=krJfMyW87vU   https://www.youtube.com/watch?v=UH1757U0aeg

Ein Stipendium fürs Nichtstun

Das Grundthema dieses Blogs und meines Essays "Aufbruch ins Leere" rückt zunehmend in den Blickpunkt der Öffentlichkeit. Die Hochschule für bildende Künste (HFBK) Hamburg schreibt jetzt ein Stipendium fürs Nichtstun aus. Hier ein paar Medienberichte dazu: Deutschlandfunk Kultur / NDR / Stern / Mopo